Mein 1. Halbmarathon

 

Ich bin nun 61 Jahre alt und laufe seit über 30 Jahren. Zuerst lief ich mit der Frauenlaufgruppe einmal in der Woche 5 Runden um den Sportplatz, das sind 2 km. Im Winter waren wir in der Halle und trieben eine Stunde Ausdauersport. Das machten wir viele Jahre, bis es mir nicht mehr ausreichte. Ich lief dann auch am Wochenende meine Runden und steigerte die Anzahl je nach Verfassung und vorhandener Zeit, denn ich stand ja noch im Arbeitsprozess. Zunehmend mehr wurde mir das Laufen zum Bedürfnis. Es half mir auch, Stresssituationen besser zu überwinden und wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Das hatte ich früher immer als Quatsch abgetan.

Vor 4 Jahren ging ich in die Altersteilzeit und hatte nun viel Zeit. Mit meiner Lauffreundin Christine H., die ebenfalls schon zu Hause war, traf ich mich jeden 2. Tag, auch im Winter, und wir liefen unsere Runden. Aber bald war uns der Sportplatz zu langweilig und wir suchten uns Laufstrecken um Wolmirstedt herum. Meist liefen wir eine Stunde lang und legten Strecken bis zu 10 km zurück. Dabei erfreuten wir uns immer an der Natur und erzählten unentwegt, denn so fiel uns das Laufen leichter.

Natürlich wurden wir bei unserem Hobby auch beobachtet, und der Vorsitzende von „Kali Wolmirstedt“, Abteilung Leichtathletik, fragte uns, ob wir nicht für den Verein bei Wettkämpfen laufen wollten. Da wir sowieso liefen, stimmten wir zu und errangen Punkte im Landescup für den Verein. Dadurch konnte Kali Wolmirstedt sogar einen vorderen Platz belegen.

Und wie es so ist im Leben, gelingt etwas gut, möchte man noch mehr ausprobieren. Wir meldeten uns im Spreewald für eine Teilstrecke ( 10 km ) beim Marathon an. Die Stimmung dort war phantastisch- die Startworte waren: Auf die Gurke- fertig- los! Jeder Teilnehmer erhielt eine schwere grüne Gurke am Band überreicht.

Leider werden wir nicht jünger, und meine Lauffreundin Christine hat gesundheitliche Probleme. Bei ihr ist Schluss mit dem Laufen, dafür walkt sie nun, was eine gute Alternative ist.

Aber ich bin zum Glück noch fit. Da ich auch schon beim Magdeburg- Marathon das Teilstück von 13 km gelaufen bin, nahm ich mir vor, die Halb- Marathon- Strecke zu trainieren. Dafür brauchte ich 5 Wochen. Da mir das Laufen allein keinen Spaß macht, hatte ich eine neue Lauffreundin gefunden. Christine S. liebt allerdings nur die 5 oder 6 km. Diese liefen wir jeden Tag und einmal in der Woche steigerte ich auf 10, dann 12, 14, 16 und schließlich 18 km. Bei den längeren Strecken begleitete mich mein Sohn Michael, der schon öfter Halbmarathon und Marathon gelaufen war. Das alles war mir eine große Hilfe und ich war sicher, dass ich diese Strecke schaffe. In dieser Zeit der Vorbereitung habe ich mich normal ernährt, habe aber auf Alkohol verzichtet.

Dann am 19. 10 2008 war es soweit.

 

         

 

Gut ausgeschlafen und mit Brötchen, Ei und Kaffee gestärkt, fuhren mein Sohn und ich nach Magdeburg. Am Abend vorher hatten wir schon die Startunterlagen abgeholt und die Portion Nudeln bei der Nudelparty verspeist. Übrigens waren die Anmeldung zum Halbmarathon, das teilweise gemeinsame Training, der Transport zum Lauf usw. das Geburtstagsgeschenk der Familie meines Sohnes DL6MHW gewesen.

Wir trafen beim Einlaufen und schon vorher in der großen Messehalle viele uns inzwischen bekannte Läufer. Das Hallo war immer groß.

Nun gingen wir zum Start. 4804 Teilnehmer zählte das Starterfeld, wobei aber auch Kurzstreckenläufer und Walker waren. Den Halbmarathon wollten 1933 Läufer schaffen. Das Wetter war kühl, aber sonnig, ideal zum Laufen. Michael und ich hatten unsere Wolmirstedt- Trikots an, um so auf unsere 1000- Jahr- Feier im Jahr 2009 hinzuweisen. Der Startschuss ertönte und langsam setzte sich das Läuferfeld in Bewegung. Und wie in jedem Jahr standen viele Fans am Straßenrand und feuerten uns an. Das ist schon ein tolles Gefühl! Wie mir Michael versprochen hatte, bremste er mein Tempo, denn das hätte ich sonst nicht bis zum Schluss durchgehalten. Beim Hundertwasserhaus stand mein größter Fan, mein Mann Holger (DL8ZVG), und machte Fotos.

 

Er erwartete uns dann am Ziel. Bald liefen wir über die Sternbrücke und durch den Rotehorn- Park, an der Elbe entlang, wieder über eine Elbbrücke und dann eine lange Strecke auf dem Elbe- Radweg. An jeder Verpflegungsstelle nahmen wir Tee oder Cola sowie Apfel oder Banane zu uns. Auch hier standen viele Zuschauer, auch Verwandte und Bekannte von mir, was unseren Lauf beflügelte. Obwohl wir nun schon etwa 15 km zurückgelegt hatten, ging es mir gut. An der Herrenkrugstraße entlang führte der Weg zum Elbauenpark, ein Stück durch diesen hindurch und dann zur Zielgasse zwischen den Messehallen.

 

Dort herrschte Jubel und Trubel, die Namen der ankommenden Läufer wurden lautstark angesagt, Musik vom Sachsen- Anhalt- Orchester ertönte und wir erhielten eine Teilnehmer- Urkunde und eine Medaille vom 5. Magdeburg- Marathon. Ich hatte mit Michaels Unterstützung, ich durfte nämlich auch unterwegs erzählen, die Strecke von 21 km, also meinen 1. Halbmarathon, geschafft! Darüber war ich stolz und glücklich! In meiner Altersklasse belegte ich mit einer Zeit von 2 Stunden, 18 Minuten  den 5. Platz und wurde 335. von allen Halb- Marathon- Läufern. Und das Beste noch für mich- ich war nicht fix und fertig! Auch Holger und die Verwandten und Bekannten waren froh darüber und ich bekam Glückwünsche und Blumen.

Inzwischen wird weiterhin fleißig gelaufen. Wenn es mir im Jahr 2009 gut geht, bin ich wieder in Magdeburg dabei.