Wanderung auf dem Spanischen Jakobsweg 


Landkarte



Vom 22. bis 26. Oktober 2007 wanderten  (pilgerten) 40 Wanderer der Magdeburger Wanderbewegung von Sarria bis Santiago de Compostela auf dem Jakobsweg. In zwei  Tagen fuhren wir mit einem Bus durch Deutschland, Belgien, Frankreich (dort übernachteten wir) nach Arzua in Spanien. Die Fahrt führte durch schöne Landschaften und es gab viel zu sehen: Wälder mit Randstreifen von riesigem Farnkraut, später dann Weinfelder in Massen, es ging durch die Pyrenäen und am Atlantik entlang …- bis wir endlich die ersten Hinweisschilder auf den Jakobsweg sahen. Die lange Busfahrt war doch anstrengend gewesen!

Erkenntnis der Tage: Langes Busfahren ist  doof, aber Ende gut- alles gut!

22.10.-von Sarria nach Gonzar ( 33km)


Um 8 Uhr fuhren wir von unserem Hotel aus etwa 1,5 Stunden nach Sarria. Dort begann unsere Wanderung. Wir sind jetzt Jakobspilger und deshalb las uns Klaus, unser Wanderleiter, jeden Morgen Verse über das Pilgern vor.


Vereinsfahne


Das war eine gute Einstimmung für den Tag. Er hatte auch für jeden einen Pilgerpass ausstellen lassen, in dem durch die Pilgerstempel die Stationen der Pilgerreise belegt werden können.

Pilgerpass


Wir gingen auf dem alten Pilgerweg und obwohl es schon Ende Oktober war, trafen wir doch noch andere Pilger. In Barbadelo winkte uns ein alter Pfarrer in seine Kirche und gab jedem den Pilgerstempel. Auch in Ferreiros und Portomarin erhielten wir Stempel. Auf dem Pilgerweg kann man sich nicht verlaufen, denn es sind immer wieder Wegesteine mit der Muschel und der km-Zahl bis Santiago zu sehen. Auch gelbe Pfeile zeigen die Richtung an. Auf Wegweisern steht: Camino de Santiago. Am 100- km- Stein legten Viele aus unserer Gruppe einen Wunschstein ab. Wir wanderten durch das grüne Galizien durch uralte Eichenwälder und malerische Dörfer. Auch Kuhherden benutzten diesen Weg.

Pilgerer auf dem Weg

Die Wäsche wurde hier am Wegrand in großen Steintrögen gewaschen und immer wieder sahen wir die horreos, die galizischen Maisspeicher. Das Wetter war gut und so wanderten wir am Nachmittag über die hohe Staumauer von Portomarin. Nach dem Besuch der Stempelstation legten wir die restlichen Tageskilometer nun doch schon recht ermattet zurück. Der Bus wartete schon auf uns und fuhr uns ins Hotel nach Arzua zurück. Wir hatten am 1. Pilgertag 250 m Anstiege, 300 m Abstiege und insgesamt 33km zurückgelegt. Die Stöcke waren sehr hilfreich gewesen.

Erkenntnis des Tages: Pilgern= Wandern ist interessant, schön, lehrreich aber bei 33km anstrengend! Aber zu schaffen


23.10.-von Gonzar bis San Xiao (28 km)

Nach einem guten Frühstück (ein Brötchen für unterwegs war mit enthalten) fuhren wir nach Gonzar und begaben uns dort wieder auf den Camino. Wir schritten flott aus, und nachdem wir die nächste Anhöhe bezwungen hatten, waren wir im galizischen Tiefland und konnten weit ins Land sehen. Der Weg führte uns durch Hospital da Cruz, Areixe, Palas de Rei bis nach San Xiao. Das waren wieder stattliche 28 km. Unterwegs hatten wir uns auch einige Pilgerunterkünfte angesehen, aber es hatte wohl niemand so rechte Lust, dort zu nächtigen. Die Rückfahrt mit dem Bus war nun auch schon kürzer geworden. Beim entspannenden Bad in der Wanne bemerkte ich unter den Zehen Blasen, die ich bei der Wanderung gar nicht gespürt hatte.

Renate

Erkenntnis des Tages: Trotz Blasen kann man 28 km wandern und gut ankommen.

24.10.- von San Xiao bis Arzua (30km)

Am 3. Pilgertag war wieder eine lange Strecke zu bewältigen. Der Weg führte durch große, duftende Eukalyptus- Wälder. Je näher wir unserem Ziel kamen, umso mehr Steinkreuze standen am Weg. Wir überquerten auch sieben Brücken, manche sehr schön naturbelassen.

7 Brücken

 An diesem Tag regnete es, wir rasteten in Leboreiro und bald hatte sich der Regen verzogen. In der schönen alten Kirche im Ort gab uns der Pfarrer die Pilgerstempel. Als er erfuhr, dass wir aus Alemania kommen, sagte er ein paar Mal voller Ehrfurcht vor dem Papst: “ O, Papa!“ Unser Weg führte durch Melide, Boente, Santa Irene bis nach Arzua.
Die Einwohner der Ortschaften grüßten uns oft mit:“ Bon Camino!“ Auch die Pilger untereinander riefen sich diesen Gruß zu.
Nun brauchten wir nicht mehr mit dem Bus abgeholt zu werden. Nach dem Baden und dem guten Abendessen wurde wie immer der Tag ausgewertet und gelacht und gesungen.

Erkenntnis des Tages: Viele Menschen am Rande freuen sich mit uns Pilgern und wünschen: “Bon camino!“ Toll!

25.10.-  von Arzua bis Lavacolla (33km)

In Arzua ging es im Morgengrauen los. Es war noch kühl, aber bald ging die Sonne auf und es wurde ein schöner Tag. Wir trafen viele uns schon bekannte Pilger und die Freude, dass wir alle noch unterwegs waren, war groß. Auf jedem Wegestein lagen Wunschsteine, denn das Ziel ist nicht mehr weit und jeder möchte ankommen.

Wegstein

Wir wanderten wieder durch Eukalyptuswälder und der uralte Pilgerweg führte bergauf und bergab durch eine ruhige Landschaft. Dass wir in die Nähe von Santiago kommen, merkten wir durch die Anzeigen zum Flugplatz. Aber so weit sollte es an dem Tag nicht mehr gehen. Wir wanderten noch bis Lavacolla. Eigentlich hätten wir uns in dem Bach die Füße waschen müssen, um am nächsten Tag sauber nach Santiago zu kommen, aber die Reinigung wollten wir lieber im Hotel vornehmen. Der Bus erwartete uns schon und brachte uns nun doch etwas fußlahm zum Quartier.

Erkenntnis des Tages: Viele Pilger und eine schöne Landschaft machen gute Laune.

26.10.-von Lavacolla bis Santiago de Compostela (18km)

Nun war unser letzter  Pilgertag gekommen. Wie wird es wohl in Santiago sein? Wie wird es bei der Pilgermesse sein? Viele, viele Gedanken gibt es…
Das Wetter war wieder gut. Neben der Schnellstraße hatten Pilger in einen Drahtzaun aus Stöcken Kreuze geflochten.

Zaun mit Kreuzen
Bald kam auch eine Pilgerstele mit der Schrift „SANTIAGO“, der Jakobsmuschel, dem Pilgerstab, dem Beutel und dem Hut in Sicht.

Wegestein

Bald waren wir am Monte Gozo angelangt und bestaunten und besichtigten dieses Heiligtum, das der Papst segnete. Eigentlich sollten wir von hier aus schon die Türme der Kathedrale sehen können, aber es stehen inzwischen schon zu viele Häuser davor.

Monte

Zügig ging es weiter nach Santiago hinein, denn wir wollten es bis zur 12- Uhr- Pilgermesse schaffen. Viele alte enge Gassen, viele Pilger- ob wir die Kathedrale überhaupt finden?
Und plötzlich standen wir vor ihr.

Kathedrale

Sie ist riesengroß, mit vielen Skulpturen geschmückt. Herrlich! Zuerst suchten wir den Weg zur Statue des Heiligen Jakobus und reihten uns mit ein. Wir stiegen die Stufen zu ihm empor und umarmten ihn von hinten, denn nur der, der ihn umarmt, ist wirklich angekommen. Wir waren es nun! Auch seinen Sarkophag sahen wir an.
Bei der Heiligen Pilgermesse war die Kathedrale voller Menschen. Wir sangen gemeinsam und bekamen das Abendmahl. Der Bischof verlas eine lange Liste von Pilgern, die heute angekommen waren, auch wir 40 Pilger aus Alemania wurden genannt. Das war schon eine tolle Sache! Und zum Schluss reichten sich alle die Hände und wünschten Frieden. Das war ein gutes Gefühl!
Nach der Heiligen Messe besuchten wir das Pilgerbüro.

Pilgerbuero

Dort mussten wir ein Formular ausfüllen und die Stempel in unserem Pilgerpass wurden geprüft. Dann erhielten wir unsere Pilgerurkunde. Wir waren alle mächtig stolz, dass wir in fünf Tagen 141km zurückgelegt hatten.    
Anschließend erklärte und zeigte uns ein Stadtführer die Sehenswürdigkeiten in der Kathedrale und im Außenbereich, und wir wissen nun, dass das Jahr 2010 ein Heiliges Jakobusjahr ist und die Heilige Pforte dann geöffnet ist. Es wäre lohnend, dann noch einmal zu pilgern, aber dann bis nach Finisterre, dem Ende der Welt.

Erkenntnis des Tages: Wir haben es geschafft und sind angekommen!

Der Bus fuhr uns zurück nach Arzua, die Koffer wurden gepackt, wir trafen uns zum Abendessen und waren alle froh und glücklich.
Aus ganzem Herzen dankten wir Klaus, der diese Pilgerreise für uns organisiert und uns gut auf dem Weg geführt hatte.
Nach zwei wiederum sehr anstrengenden Busreisetagen kamen wir voller neuer Eindrücke gut in Magdeburg an.

Diese Pilgerreise ist für alle machbar und empfehlenswert. Man sollte aber das Flugzeug benutzen und dann mit dem Bus nach Sarria fahren.

        Pilgerurkunde

                                           Bon camino!