Abenteuerwanderung auf dem Rennsteig von Hütte zu Hütte

Start am Altenberger See - Ziel in Neuhaus am Rennweg: 125km Wanderstrecke

Da unsere Wandergruppe nur aus zwei Frauen bestand (Christine H. 64 Jahre, Renate H. 60 Jahre), war kein Gepäcktransport möglich. Wir mussten unser Gepäck auf dem Rückentragen.

Wanderzeitpunkt: 23.07. – 28.07.2007

Start in WolmirstedtAm 22.07.07 fuhren wir mit der Bahn bis nach Eisenach und weiter mit dem Bus zum Altenberger See. Wir nutzten das Sachsen- Anhalt- Ticket und bezahlten pro Person 14 Euro. Bei Tourismus Inselberg Brotterode GmbH  hatten wir die Unterkunft in den Hütten auf dem Rennsteig für 140 Euro gebucht. Die geräumige Unterkunft am Altenberger See gefiel uns gut. In der Gaststätte „Seeblick“ aßen wir zu Abend und bestellten für den nächsten Morgen das Frühstück. Auch den Weg zum Rennsteig erkundeten wir. Am Abend regnete und gewitterte es, aber wir waren für den nächsten Tag voller Zuversicht.

1.Tag- Montag- 23.07.2007

Nach einem sehr reichhaltigen Frühstück (5,50Euro), schulterten wir unsere Rucksäcke und wanderten bergauf zum Rennsteig. Das große weiße „R“ begleitete uns die gesamten 125km. Heute wollten wir die Strecke von 25km von der Hohen Sonne bei Eisenach bis zur Grenzwiese am Großen Inselsberg zurücklegen. Bei gutem Wanderwetter ging es zügig vorwärts über den Zollstock, eine ehemalige Wegzollstelle, zum Glöckner, es sind mächtig aufgetürmte Granitfelsbrocken, von denen wir eine tolle Aussicht genießen, bis zum Gasthaus „Dreiherrenstein“. Hier legten wir unsere Mittagsrast ein und aßen die Reste des Frühstücks. Auf dem Rastplatz trafen wir auf andere Wanderer, die über unser Gepäck und das Wanderziel staunten. Der Weg führte weiter bergan und vom Großen Beerberg (841m) sahen wir in weiter Ferne die Wartburg. Wir waren voller Hochachtung vor unserer Leistung! Doch schon ragte vor uns der Inselsberg empor. Es ging nochmals bergan bis auf 917m. Wir waren froh, dass wir die Walking- Stöcke mit hatten, denn sie leisteten uns gute Dienste. Auf dem Berg wehte ein kühler Wind, und da unsere Wanderzeit bemessen war, machten wir uns bald an den Abstieg. Der Weg war sehr steil und es begann auf dem letzten Abschnitt zu regnen. Erleichtert erreichten wir die Wanderhütten und wurden freundlich empfangen und eingewiesen. Die Unterkunft gefiel uns sehr gut, was wir auch in dem ausliegenden Gästebuch bekundeten. Nach einer reinigenden Dusche aßen wir in einer nahen Gaststätte und bestellten wieder das Frühstück. Vor dem Schlafengehen massierten wir unsere Schultern und die Füße, denn es war doch ein anstrengender Tag.

2. Tag- Dienstag- 24.07.2007

Nach dem Frühstück im Hotel ging es gegen 9.00 Uhr weiter in Richtung Ebertswiese. Wir waren ausgeruht und die Schultern taten nicht mehr weh. Diesen 15km sahen wir mit Optimismus entgegen. Gleich zu Beginn überwanden wir zwei große Steigungen, den Trockenberg und den Großen Jagdberg. Da es aber dann gemächlich weiterging und wir uns sogar die am Wegrand duftenden Himbeeren schmecken ließen, machten wir noch einen Abstecher zum Spitterfall. O, ging es steil hinab! Aber der Anblick lohnte sich. Nachdem wir den Berg wieder nach oben gestiegen waren, sahen wir schon bald die Ebertswiese vor uns liegen. Inzwischen war es sehr windig und regnerisch geworden und wir beschlossen, in dem Gasthaus Mittag zu essen. Das war eine gute Idee gewesen und wir machten uns anschließend auf zu den Wanderhütten in der Nähe des Bergsees. Auch dort wurden wir erwartet und eingewiesen. Leider ließ die Gemütlichkeit so einiges zu wünschen übrig und diese Herberge gefiel uns nicht. Da das Wetter immer ungemütlicher wurde, verzichteten wir auch auf das Bad im Bergsee. Am Abend aßen wir den Rest vom Frühstück, schrieben unser Wandertagebuch und gingen bald schlafen.

3. Tag- Mittwoch-25.07.2007

Am dritten Wandertag lag wieder eine lange Strecke vor uns, denn bis Oberhof waren es 25km. Die Pächterin der Hütte brachte uns wie vereinbart ein gutes Frühstück (5 Euro) und so wanderten wir schon vor 9Uhr in Richtung Rennsteig los. Zwar verliefen wir uns und mussten 2km zusätzlich gehen, aber dann fanden wir doch die weißen „R“ und sehr viele alte Rennsteigsteine. Wir gingen auch über die Spitterbrücke (die Spitter soll der einzige Fluss sein, der den Rennsteig überquert,) und begegneten an diesem Tag vielen Wanderern und auch Radfahrern. Es ging zwar bergauf und bergab, aber auf meistens schönen Wegen. So sangen wir wie schon jeden Tag das Rennsteiglied und andere Wanderlieder. Ungefähr jede Stunde rasteten wir und tranken aus der Wasserflasche. Dieser Abschnitt des Rennsteigs war sehr informativ, denn von Schautafeln erfuhren wir Vieles über die Geschichte des Kammweges, so zum Beispiel, dass der Rennsteig das Mittelstück des alten Weges zwischen Görlitz und Aachen ist. Auch genossen wir auf dieser Etappe schöne Blicke über das weite Land. Da am Wegrand Heidelbeeren in Massen wuchsen, füllten wir unsere Mägen. Am Grenzadler rasteten wir ein letztes Mal und erreichten kurz vor 17Uhr die Wanderhütten am Rennsteiggarten. Dieses Quartier gefiel uns wieder sehr gut und wir fühlten uns wohl. Nach einem Besuch im Rennsteiggarten und dem Bestellen des Frühstücks, gingen wir ins Naturfreundehaus zum Abendessen, bummelten noch durch Oberhof und beendeten bald diesen schönen warmen Wandertag.

4. Tag- Donnerstag-26.07.2007wegweiser

Nun liegen schon 65 Wanderkilometer hinter uns und unsere Schultern und die Füße haben sich an die Last (rund 13kg) und das stete Laufen gewöhnt. Nachdem wir im Cafe Rennsteiggarten ein sehr reichliches und liebevoll zubereitetes Frühstück (5Euro) zu uns genommen hatten, ging die 20km- Tageswanderung bis nach Frauenwald los. Zwar war es noch etwas kühl, aber die Sonne schien. Unterwegs trafen wir immer mal wieder ein Ehepaar, deren Gepäck allerdings transportiert wurde und die in Hotels schliefen und dort Frühstück erhielten. Sie mussten natürlich auch wesentlich mehr bezahlen (465 Euro). Da die Frau Fußprobleme bekam, setzten sie die Reise nun mit Fahrrädern fort. Auch eine Familie aus Chemnitz wanderte vor, mit oder hinter uns für 465 Euro auf dem Höhenweg. Uns gefiel unsere Art des Wanderns besser – es ist so wie früher. Neben dem Rennsteig sahen wir immer wieder die Spuren des Sturmes Kyrill- viel geschlagenes Holz lag aufgeschichtet. Heute führte der Weg zu Plänckners Aussicht, dem höchsten Punkt des Kammwegs, 973m. Wir genossen einen weiten Blick auf die Stadt Suhl und deren Umgebung. Wir wanderten über die Schmücke und dachten am Herbert- Roth- Stein an diesen „Liedermacher“. Idyllisch ging es weiter über Mordfleck zur Alten Tränke. Es war eine schöne Wanderung über 20km. Nach dem Bahnhof Rennsteig, der 1998 stillgelegt wurde, gelangten wir über den Alten Bahndamm zum Waldhotel „ Rennsteighöhe“, einem ehemaligen Stasi-Ferienobjekt mit einem Bunkermuseum. Wir besichtigten das Museum, was uns ziemlich nahe ging, erholten uns dann aber in der Sauna, aßen zu Abend und waren in der gemütlichen Unterkunft bald eingeschlafen.

5. Tag- Freitag- 27.07.2007


Nach einer guten Nacht und einem netten Frühstück (7 Euro), machten wir uns auf den Weg nach Masserberg. Nach einer kleinen Verirrung waren wir auch bald wieder auf dem Rennsteig. Bald erreichten wir den Dreiherrenstein, der die Mitte des Rennsteigs kennzeichnet. Hier wurden zu früheren Zeiten das Königreich Preußen, Sachsen-Meiningen und das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen getrennt. Uns gefiel dieser Abschnitt des Rennsteigs sehr gut. Immer wieder erfreuten wir uns an den kunstvoll gestalteten alten Markierungssteinen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, den geschnitzten Rennsteinwegweisern und den weißen „R“ an den Bäumen.

Wir trafen an diesem Tag viele Wanderer. Über weite Blumenwiesen mit herrlichen Ausblicken gelangten wir um 12Uhr nach Neustadt und die Kirchenglocken begrüßten uns. An der Teufelsbuche rasteten wir zu Mittag und wanderten weiter bis zur Triniusbaude. Hier ist der Rennsteig urwüchsig, sehr steil, von Baumwurzeln durchzogen und mit Steinen besät- er ist ein tiefer Hohlweg. Dort begegnete uns eine Jungengruppe, die uns nach dem Rennsteiglied fragt. Natürlich hatten wir den Text und mit Hilfe der modernen Technik fotografierten sie ihn mit dem Handy. Mit „Gut Runst!“ verabschiedeten sie sich von uns. In Masserberg angekommen, suchten wir unsere Unterkunft im Gästehaus der Hotel Residenz auf. Dort gefiel es uns wieder sehr gut. Beim Abendessen in der Hotelbaude erfuhren wir, dass es viele der Wanderhütten nicht mehr gibt und dass die Wanderer deshalb in solch noblen Quartieren untergebracht werden. Zum Abschluss des Tages schrieben wir wieder unser Reisetagebuch.

6. Tag- Sonnabend-28.07.2007

endeAn unserem letzten Wandertag von Masserberg nach Neuhaus am Rennweg gab es wieder ein reichhaltiges Startfrühstück (5,50 Euro). An der Rezeption des Hotels kauften wir uns ein Wanderbüchlein, das der Heimatdichter Horst Golchert schrieb. Darin wird unsere Wanderstrecke beschrieben und mit Zeichnungen und Anekdoten ausgeschmückt. Es ist für Wanderfreunde sehr zu empfehlen. Der letzte Wandertag war verregnet. Es strömte bis Mittag nur so vom Himmel und wir wanderten sehr zügig. Für die Schönheiten der Natur hatten wir heute keine Augen und wir sangen auch keine Wanderlieder. Wir trafen aber auf den Dreistromstein, der die Wasserscheide zwischen den Stromgebieten der Weser, der Elbe und des Rheins markiert. In Limbach legten wir eine Mittags- und Aufwärmpause ein. In Elkes Raststübchen verschlug es dann auch die Familie aus Chemnitz. Nach einer kräftigen Stärkung wanderten wir gemeinsam weiter. Wir besuchten auch noch etwas abseits vom Weg die Quelle der Schwarza. Nach nassen 20km erreichten wir die Wanderhütten in Bernhardstal und trockneten die Sachen, so gut es ging. In der Gaststätte „Rennsteigbaude“ nahmen wir das Abendbrot ein und erhielten in unserem Rennsteigpass den letzten Wanderstempel. Auch die Wanderurkunde bekamen wir überreicht.  Anschließend erkundeten wir  den Weg zum Bahnhof. Wir verabschiedeten uns von der Wanderfamilie, die noch weiter bis Blankenstein wollte. In der Hütte war es warm und wir ließen noch einmal alles Revue passieren: Es war eine interessante und landschaftlich schöne Wanderung.
Wir bedanken uns bei der Gästeinformation in Brotterode, besonders bei Frau Trautmann, die uns die Rennsteigwanderung organisierte, und hoffen, dass viele Menschen ebenfalls dieses urwüchsige Wandern auf dem Rennsteig genießen werden.